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Der FTSE 100 Das Erreichen von 10.000 ist eher ein psychologischer Meilenstein als ein grundlegender Wendepunkt. Dennoch sagt es viel über das Marktumfeld aus. Nachdem der britische Blue-Chip-Index jahrelang hinter dem US-Markt zurückgeblieben war, profitierte er von einer nachlassenden Inflation, sinkenden Zinserwartungen und einer stetigen Erholung der Risikobereitschaft.
Es lohnt sich auch, sich daran zu erinnern, was der FTSE 100 eigentlich darstellt.
Der Index wird von globalen Unternehmen aus den Bereichen Energie, Bergbau, Konsumgüter und Finanzen dominiert, wobei der Großteil der Umsätze im Ausland erzielt wird. Ein im Laufe der Zeit schwächeres Pfund, gepaart mit stabilen Rohstoffpreisen und einer starken Cash-Generierung, hat das Gewinnwachstum unterstützt, selbst wenn die Binnenwirtschaft Probleme hatte.
Das ist nicht der einzige Faktor, der den Index nach oben treibt. Banken waren in den letzten zwei Jahren ein großer Wachstumstreiber. Banken repräsentieren mittlerweile die zweit-, neunt-, elft-, vierzehn- und achtzehntgrößten Unternehmen im Index.
Für Anleger bedeutet der Schritt auf 10.000 nichts besonders Bemerkenswertes. Offensichtlich deutet dies darauf hin, dass das Vermögen derjenigen, die dem Index ausgesetzt sind, entsprechend gestiegen ist.
Ist der Index noch günstig?
Ein wiederkehrendes Thema der letzten Jahre ist, dass der FTSE 100 im Vergleich zu US-Aktien günstig aussah. Dafür gab es mehrere Gründe, von denen viele mit den schwächeren Wirtschaftsaussichten und der politischen Unsicherheit im Vereinigten Königreich zusammenhingen – obwohl rund 70 % der FTSE 100-Umsätze im Ausland erwirtschaftet werden. Einer der wichtigsten und oft übersehenen Faktoren war die Liquidität.
Der US-Aktienmarkt ist einfach viel liquider. Amerikanische Pensionsfonds, ETFs und Privatanleger leiten ihr Kapital konsequent in inländische Aktien um und schaffen so große Nachfragepools. Im Gegensatz dazu waren britische Aktien anhaltenden Abflüssen ausgesetzt, da die Rentensysteme ihre Risiken verringerten und globale Fonds London zugunsten von New York untergewichteten.
Kurz gesagt: Britische Aktien erscheinen im Vergleich zu ihren Mitbewerbern in den USA günstig. Ein Paradebeispiel hierfür sind Banken. Allerdings hat sich die Zahlungsbereitschaft des Marktes für britische Unternehmen erheblich verändert. Das ist positiv zu werten, denn ein lebendiger Kapitalmarkt ist für fast alle gut. Eine positive Stimmung könnte sogar zu weiteren Listungen führen.
Eines zum Anschauen
Gibt es Aktien, die Anleger auf dem Weg ins Jahr 2026 im Auge behalten sollten?
Ich glaube Melrose Industries (LSE:MRO) bleibt eine der attraktivsten und am meisten übersehenen Aktien im Index.
Durch GKN Aerospace ist die Gruppe ein Tier-1-Alleinlieferant kritischer Triebwerks- und Strukturkomponenten für alle großen globalen Hersteller – eine Position, die über Jahrzehnte aufgebaut wurde und äußerst schwer zu reproduzieren ist.
Heute ist seine Technologie in etwa 90 % der aktiven zivilen und militärischen Triebwerke verbaut, wobei etwa 70 % des Umsatzes aus langfristigen Verträgen stammen, bei denen das Unternehmen der alleinige Lieferant ist. Dies verleiht ihm Preissetzungsmacht.
Dennoch bleibt die Bewertung bescheiden. Die Aktien werden bei etwa 15,1 gehandelt mal Forward-Gewinnmit einem Kurs-Gewinn-Wachstum Verhältnis von nur 0,8. Das ist ein klarer Rabatt gegenüber Mitbewerbern wie z Rolls-Royce, GE AerospaceUnd Safran. Das Unternehmen profitiert außerdem von einem robusten Ersatzteilmarkt, der auch in Zeiten des Branchenrückgangs hohe Gewinnmargen liefert.
Eine Nettoverschuldung von rund 1,67 Milliarden Pfund ist das Hauptrisiko, aber angesichts der starken Cash-Generierung und der ehrgeizigen Wachstumsziele bis 2029 sollten Anleger meiner Meinung nach Melrose Industries in Betracht ziehen.

