In ihrer Rede bewertet Sarah Breeden, stellvertretende Gouverneurin für Finanzstabilität der Bank of England, den aktuellen Zustand des globalen Finanzsystems vor dem Hintergrund erheblicher geopolitischer und wirtschaftlicher Schocks.
Sie räumt zunächst ein, dass das System zwar in den letzten sechs Jahren eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit bewiesen hat und eine Pandemie, Kriege und Energiekrisen überstanden hat, die Geschichte jedoch lehrt, dass die Finanzstabilität oft untergraben wird, wenn Optimismus Vorrang vor Vorsicht hat.
Sie führt einen Großteil dieser aktuellen Stabilität auf die Strukturreformen zurück, die nach der globalen Finanzkrise 2008 durchgeführt wurden, insbesondere auf die erhöhte Kapital- und Liquiditätsausstattung der Banken. Sie warnt jedoch davor, dass das Risiko nicht verschwunden sei, sondern sich stattdessen in weniger transparente und weniger regulierte Bereiche verlagert habe.
Breeden identifiziert drei spezifische Schwachstellen, die derzeit die Warnzeichen vergangener Krisen widerspiegeln: das schnelle Wachstum und die Undurchsichtigkeit der privaten Märkte, die hohe Verschuldung auf den Märkten für Staatsanleihen aufgrund von Hedgefonds-Aktivitäten und überhöhte Vermögensbewertungen in Sektoren wie der künstlichen Intelligenz.
Sie äußert ihre Besorgnis darüber, dass diese privaten Kreditmärkte noch nicht durch einen großen makroökonomischen Schock in einem Hochzinsumfeld auf die Probe gestellt wurden. Darüber hinaus weist sie darauf hin, dass die Staatsverschuldung den höchsten Stand der Nachkriegszeit erreicht habe, was den fiskalischen Spielraum der Regierungen für die Reaktion auf künftige Störungen schmälere.
Die Kombination aus Hebelwirkung, Komplexität und Konzentration in diesen Bereichen lässt darauf schließen, dass der Bankenkern zwar stark ist, das Gesamtsystem jedoch weiterhin fragil ist. Sie fügt außerdem hinzu, dass der Konflikt im Nahen Osten die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass diese Schwachstellen gleichzeitig zum Vorschein kommen könnten.
Um diesen sich verändernden Risiken zu begegnen, skizziert Breeden eine Strategie, die sich auf eine systemweite Überwachung und nicht nur auf die Überwachung einzelner Institutionen konzentriert. Dazu gehört die Durchführung von Stresstests für Nichtbanken-Finanzsektoren und private Märkte, um zu verstehen, wie sich Schocks auf die Realwirtschaft ausbreiten könnten.
Sie betont auch die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit und der Entwicklung neuer Instrumente, wie etwa der Contingent NBFI Repo Facility, die es der Zentralbank ermöglicht, Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds bei Marktstörungen direkt Liquidität bereitzustellen.
Letztendlich kommt Breeden zu dem Schluss, dass das System zwar besser vorbereitet ist als in der Vergangenheit, die „Nachwirkungen“ früherer Krisen jedoch vorhanden sind und die Aufgabe der Bank darin besteht, sicherzustellen, dass diese aufkommenden Risiken in Zeiten relativer Ruhe nicht abgetan werden.

