Die politischen Entscheidungsträger der EZB haben ganz deutlich zum Ausdruck gebracht, dass sie die Optionalität schätzen, während wir uns diese Woche der nächsten politischen Entscheidung nähern. Und auch die Märkte hören zu und drosseln die Preise für Zinserhöhungen, da die Wahrscheinlichkeit einer solchen Bewegung derzeit nur bei etwa 20 % liegt. Bis zur Juni-Sitzung steigen diese Chancen jedoch wieder auf etwa 63 %. Und für das Jahr selbst rechnen Händler vorerst mit Zinserhöhungen von etwa 58 Basispunkten.
Das bedeutet etwa zwei weitere Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte und ist das Basisszenario, das auch Goldman Sachs im Auge hat.
Das Unternehmen argumentiert, dass die EZB in dieser Woche nicht viel Lust haben wird, Maßnahmen zu ergreifen, wenn man bedenkt, dass die Entwicklungen im Nahen Osten weiterhin ungelöst sind. Denn die politischen Entscheidungsträger werden sich auch Optionen offenhalten wollen, um die Auswirkungen der zweiten Runde auf die Inflation abzuwägen.
„Die Mitglieder des EZB-Rats haben signalisiert, dass sie keine überstürzte Entscheidung treffen müssen, und dass daher eine Verschiebung auf der Sitzung nächste Woche höchstwahrscheinlich ist. Allerdings wurde in der Mitteilung stets darauf hingewiesen, dass die Inflationsrisiken weiterhin steigen und dass die EZB handeln muss, wenn Anzeichen einer anhaltenden Inflation auftauchen.“
Der Ton der Pressekonferenz dürfte die jüngste Mitteilung widerspiegeln, wobei Präsidentin Lagarde anmerkte, dass der EZB-Rat auf Zweitrundeneffekte achten wird und bereit ist, Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass die Inflation mittelfristig wieder auf 2 % zurückkehrt.“
Goldman Sachs geht davon aus, dass die EZB in den kommenden Monaten zwei Zinserhöhungen um 25 Basispunkte in Bezug auf künftige politische Schritte durchführen wird. Die erste erfolgte im Juni und die nächste im September, um den Einlagensatz wieder auf 2,50 % zu bringen.

