Die allgemeine Marktstimmung wird zum letzten Handelstag der Woche deutlich defensiver. Die Ölpreise steigen, Aktien stehen unter Druck, Edelmetalle fallen und der weltweite Ausverkauf von Anleihen nimmt weiter zu. Rohöl liegt an der Spitze der Bewegung: Der Juli-Kontrakt stieg um 2,93 $ auf 99,85 $, während der auslaufende Juni-Kontrakt bei 103,99 $ gehandelt wird, ein Plus von 2,82 $ vor seinem Ablauf nächste Woche. Unterdessen ist Gold deutlich um 94 $ oder -2,05 % auf 4.554 $ gefallen, während Silber um 4,84 $ oder -5,88 % gefallen ist, was die allgemeinere Liquidationsstimmung auf allen Märkten unterstreicht.
Gleichzeitig steigen die Renditen von Staatsanleihen über die gesamte Kurve hinweg rasant an, da die Märkte weiterhin Inflations- und Wachstumsrisiken neu bewerten. Es wird erwartet, dass die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Fed in diesem Jahr bei 60 % liegt. Die 10-Jahres-Rendite ist um fast 8,5 Basispunkte auf 4,547 % gestiegen – der höchste Stand seit Mai letzten Jahres –, während die 2-Jahres-Rendite um 6,6 Basispunkte auf 4,052 % gestiegen ist und damit deutlich über der wichtigen 4 %-Schwelle liegt, nachdem sie im April bei nur 3,70 % notiert hatte. Der Anleihenmarkt äußert zunehmend Bedenken, dass der Inflationsdruck anhalten könnte, insbesondere angesichts der wieder steigenden Energiepreise. Der jüngste Renditeausbruch wird nun zu bedeutsam, als dass die Aktienmärkte ihn ignorieren könnten, nachdem sich die Aktien trotz steigender Zinsen wochenlang widerstandsfähig gezeigt hatten.
US-Aktien-Futures reagieren entsprechend: S&P 500-Futures bedeuten einen Rückgang um 72 Punkte (jetzt -92 Punkte), Nasdaq-Futures fallen um 394 Punkte (whoops jetzt -500 Punkte) und Dow-Futures gehen im vorbörslichen Handel um 316 Punkte zurück. Das stärkere Renditeumfeld und die zunehmende Risikoaversion führen auch zu einem weiteren Anstieg des US-Dollars. EURUSD ist auf ein Sitzungstief von 1,1618 gefallen, während GBPUSD auf 1,3329 abgerutscht ist. Dem Pfund droht zusätzlicher Gegenwind durch die zunehmende politische Unsicherheit im Vereinigten Königreich, da Fragen rund um die Zukunft von Premierminister Keir Starmer mit stark gestiegenen Gilt-Renditen einhergehen, was dem Pfund einen doppelten Schlag versetzt.
Im Video oben werfe ich einen technischen Blick auf die drei wichtigsten Währungspaare – EURUSD, USDJPY und GBPUSD – und skizziere die wichtigsten technischen Ebenen, die den Handel antreiben. In dieser Woche ist EURUSD um -1,28 % gesunken, GBPUSD ist um -1,93 % gefallen, während USDJPY um 1,21 % gestiegen ist. Der Dollar ist gegenüber allen wichtigen Währungen in einem klassischen „Risk-off“-Flow-Umfeld stärker, wobei der rohstoffgebundene AUD und der NZD am stärksten betroffen sind. Im morgendlichen Schnappschuss betragen die prozentualen Veränderungen gegenüber dem Dollar: EUR -0,33 %, JPY -0,14 %, GBP -0,31 %, CHF -0,31 %, CAD -0,24 %, AUD -0,97 % und NZD -1,15 %.
Der Fokus wird wieder auf den Iran gerichtet sein, wo Lösungen noch unklar sind und scheinbar nicht in greifbarer Nähe sind.

