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Lagarde lehnte es ab, konkrete Hinweise zur bevorstehenden EZB-Sitzung am 11. Juni zu geben. Sie betonte, dass die Bank einen „datenabhängigen“ und „Meeting-by-Meeting“-Ansatz beibehalten werde, um sicherzustellen, dass die Inflation wieder ihr Ziel von 2 % erreicht.
Sie verwies auf den Energiepreisschock, der gleichzeitig die Inflation in die Höhe treibt und das Wirtschaftswachstum verlangsamt. Während die langfristigen Inflationserwartungen weiterhin „fest verankert“ sind, beobachtet die EZB genau „Zweitrundeneffekte“ (wie Lohn-Preis-Spiralen), die die mittelfristigen Erwartungen beeinflussen könnten.
Lagarde stellte fest, dass selbst eine sofortige Lösung des Konflikts im Nahen Osten keine sofortige Erleichterung bringen würde. Aufgrund von „Lag-Effekten“ und der Notwendigkeit, frühere Marktverhältnisse wiederherzustellen, werden die Auswirkungen der Krise noch einige Zeit spürbar sein. Sie meinte, es sei wahrscheinlich, dass das Preisniveau nach der Krise dauerhaft höher bleiben werde.
Sie forderte die Regierungen auf, die fiskalpolitischen Maßnahmen zeitlich befristet, gezielt und maßgeschneidert zu halten. Lagarde warnte davor, dass die EZB gezwungen sein könnte, einen anderen, möglicherweise strengeren geldpolitischen Kurs einzunehmen, wenn Regierungen diese Grundsätze bei ihren fiskalpolitischen Maßnahmen nicht befolgen.
Künftig wird die EZB die Inflationserwartungen und Zweitrundeneffekte sowie spezifische Energiekennzahlen überwachen, etwa das Volumen der Ölreserven und wie lange diese die Nachfrage decken können, ohne dass erzwungene Verbrauchsreduzierungen erforderlich sind.

