Das Weiße Haus ist dabei, seine Tarifagenda durch neue Untersuchungen nach Abschnitt 301 wiederzubeleben, die auf sogenannte unlautere Handelspraktiken abzielen – eine Problemumgehung, nachdem der Oberste Gerichtshof frühere Zölle abgeschafft hatte. Die NYT sagt die Ankündigung kommt heute.
Die USTR wird die Untersuchungen leiten, wobei überschüssige Produktionskapazitäten das Hauptthema sind – Washingtons Bezeichnung für Länder, die die inländische Produktion über die inländische Nachfrage hinaus subventionieren. Ebenfalls im Fadenkreuz: Steuern auf digitale Dienstleistungen, Zwangsarbeit und Währungsmanipulation.
Der Schritt folgt den Äußerungen von USTR Greer im letzten Monat, in denen er asiatische Länder als Hauptziele bezeichnete, die „mehr produzieren, als sie verbrauchen können“. Wir warten auf Anzeichen dafür, welche Länder ins Visier genommen werden.
Trump ist die Regierung, die den rechtlichen Grundstein für eine neue Welle von Zöllen legt. Abschnitt 301 erfordert Untersuchungen und Konsultationen, bevor Zölle eingeführt werden können. Dies ist also der Startschuss – nicht die Ziellinie. Diese Untersuchungen werden voraussichtlich bis Ende des Jahres dauern und je nachdem, wie viele Länder ins Visier genommen werden, eine besondere Herausforderung darstellen.
Insgesamt ist es keine große Überraschung, dass die USA auf dieses Instrument umsteigen, aber es wird erneut zu rechtlichen Herausforderungen führen und das könnte die Strategie erschweren. Die Hervorhebung der Steuern auf digitale Dienstleistungen weist hier auch darauf hin, dass Europa ein Ziel ist, das Trump nutzen könnte, um Einfluss zu gewinnen.
Es ist unwahrscheinlich, dass diese Ermittlungen abgeschlossen werden, bevor die 150 Tage Gültigkeitsdauer von Trumps derzeitigen Zöllen abgelaufen sind, aber ich würde das nicht ausschließen, da eine Lücke zu einem problematischen Szenario und einem Ansturm auf den Warenimport führen würde.
Im Moment konzentrieren wir uns jedoch darauf, welche Länder ins Visier genommen werden (und welche nicht), und geben Hinweise darauf, wie sie darauf reagieren. Es kommt auch zu einem ungünstigen Zeitpunkt, da die US-Regierung versucht, Verbündete im Nahen Osten zu gewinnen. Der Markt ignoriert diesen Bericht vorerst weitgehend.

