Morgan Stanley argumentiert, dass Trumps Drohung mit den Zöllen für Grönland ein aktienspezifisches Risiko und kein systemischer Schock für europäische Aktien sei.
Zusammenfassung:
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Morgan Stanley geht davon aus, dass die Auswirkungen der Zölle konzentriert und nicht umfassend sind
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Nur 2,2 % der Einnahmen des MSCI Europe sind direkt ausgewiesen
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Trump droht im Streit um Grönland mit Zöllen
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EU wägt Vergeltungsmaßnahmen und rechtliche Optionen ab
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Verteidigungsaktien bleiben ein Hauptnutznießer
Laut Analysten von Morgan Stanley sind europäische Aktien der jüngsten Zolldrohung von Präsident Donald Trump stark konzentriert und nicht marktweit ausgesetzt, was das Risiko eines breit angelegten Schadens für regionale Aktien begrenzt.
In einer Kundenmitteilung schätzt die Bank, dass nur 2,2 % der Einnahmen im MSCI Europe-Index direkt den vorgeschlagenen Tarifen ausgesetzt sind. Anders ausgedrückt: Etwa 10 % der Indexgewichtung bestehen aus Unternehmen, bei denen mehr als 10 % der Einnahmen von neuen Abgaben betroffen wären, was Morgan Stanley als „idiosynkratischen“ und nicht als systemischen Schock bezeichnet.
Trump drohte letzte Woche damit, acht europäischen Ländern – Dänemark, Schweden, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Finnland, Norwegen und dem Vereinigten Königreich – Zölle in Höhe von 10 % zu verhängen, sofern die USA nicht Grönland erwerben dürften. Er warnte davor, dass die Abgaben auf 25 % steigen könnten, wenn der Kauf nicht zustande komme, und bezeichnete den Schritt als ein Gebot der nationalen Sicherheit. Europäische Beamte haben diese Begründung strikt zurückgewiesen und die Drohung als Nötigung bezeichnet.
Die Eskalation hat die Staats- und Regierungschefs der EU dazu veranlasst, im Vorfeld eines Krisengipfels in Brüssel eine Notfallplanung vorzunehmen. Zu den diskutierten Optionen gehören Berichten zufolge Vergeltungszölle auf US-Importe im Wert von bis zu 93 Milliarden Euro sowie der Einsatz des Anti-Zwangs-Instruments der Union, das den Zugang der USA zu den Investitions-, Banken- und Dienstleistungsmärkten der EU einschränken könnte. Laut Reuters genießt die Reaktion auf die Zölle derzeit eine breitere politische Unterstützung.
Morgan Stanley weist auch auf die Rechtsunsicherheit im Zusammenhang mit Trumps Handelsinstrumenten hin. Fast die Hälfte der mit Grönland verbundenen Belastungen Europas fallen unter Zölle, die im Rahmen des International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) erhoben werden – eine Gesetzgebung, die derzeit vom Obersten Gerichtshof der USA überprüft wird. Ein in Kürze erwartetes Urteil gegen die Regierung könnte die Bemühungen zur Wiedereinführung oder Ausweitung der mit Grönland verbundenen Zölle erschweren.
Vor diesem Hintergrund bekräftigte die Bank ihre Übergewichtung europäischer Verteidigungsaktien und argumentierte, dass dieser Vorfall Europas Entschlossenheit bestärkt, die strategische Autonomie und die Verteidigungsausgaben zu steigern. Generell sieht Morgan Stanley nur begrenzte taktische Abwärtsrisiken für europäische Aktien und geht davon aus, dass die Diversifizierungsströme anhalten werden.

