Laut Bloomberg könnte bereits am Sonntag in Genf ein Memorandum of Understanding (MoU) zwischen den USA und dem Iran unterzeichnet werden.
Trump hat gestern überraschend geplante Angriffe auf den Iran abgesagt und stattdessen verkündet, dass Washington den Rahmen eines Abkommens mit Teheran erreicht habe (das genau das ist, worüber sie seit Monaten verhandeln).
Im Rahmen des vorgeschlagenen MoU würden sich die USA verpflichten, ihre Seeblockade um den Iran aufzuheben, wahrscheinlich innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens, der an Umsetzungsmaßstäbe gebunden ist. Im Gegenzug würde Iran die Straße von Hormus wieder öffnen und die Schifffahrtsbedingungen innerhalb von 30 Tagen wieder auf das Vorkriegsniveau bringen und damit eine der größten angebotsseitigen Bedrohungen beseitigen, denen sich die globalen Energiemärkte gegenübersehen.
Die Wiedereröffnung von Hormuz ist die unmittelbarste makroökonomische Folge des Abkommens, da sie die Inflationserwartungen, die Preise für Zinserhöhungen und die Wachstumsaussichten beeinflusst. Da sich die Schifffahrtsströme im Laufe des nächsten Monats möglicherweise normalisieren, werden die Märkte die aggressiven Zinserhöhungserwartungen wahrscheinlich weiterhin auspreisen.
Das ist besonders für die Federal Reserve wichtig. Der anhaltend hohe Ölpreis und die starken US-Daten hatten Befürchtungen geweckt, dass die Fed gezwungen sein würde, die Zinsen anzuheben, um Inflationsrisiken entgegenzuwirken. Die bloße Erwartung einer Wiederherstellung des normalen Verkehrs in der Straße von Hormus würde die Ölpreise und Inflationsängste erheblich senken.
Kurzfristig ist dies sehr positiv für die Weltwirtschaft, da die Zinserhöhungswetten zurückgefahren werden, die Inflationssorgen nachlassen und sich die Wachstumsaussichten verbessern. Risikoanlagen dürften von diesem Hintergrund profitieren.
Die Probleme könnten später auftreten, da sich dieser negative Angebotsschock in einen starken positiven Nachfrageschock verwandeln könnte, bei dem wir aufgrund der Lockerung der finanziellen Bedingungen und erhöhter Ausgaben einen Aufschwung für die Wirtschaftstätigkeit erleben. Dies könnte letztendlich sowieso Zinserhöhungen erforderlich machen, insbesondere in den USA, aber das muss durch die Daten in den nächsten Monaten bestätigt werden. Vorerst können die Märkte feiern…

