Japan scheint ab 2022 ein Déjà-vu zu erleben: Die Energiepreise steigen, der Yen erreicht neue Tiefststände und der Finanzminister des Landes warnt vor möglichen Interventionen am Devisenmarkt.
Tatsächlich könnte die erste Interventionsrunde bereits am vergangenen Freitag stattgefunden haben und sich Berichten zufolge auf etwa 5,4 Billionen Yen (ungefähr 34,5 Milliarden US-Dollar) belaufen, auch wenn die Auswirkungen nicht gerade dramatisch waren: USD/JPY fiel um etwa 2,7 % Zu Beginn der neuen Woche setzte sich der Aufwärtstrend jedoch fort.
Aber warum ist ein schwacher Yen so schlimm? Hilft es nicht dem Export?
Das Hauptproblem eines schwachen Yen sind seine Gesamtauswirkungen auf die Wirtschaft.
Steigende Energie- und Lebensmittelkosten stellen eine Belastung für die Haushalte dar, während eine mögliche Straffung der Geldpolitik der Bank von Japan sowohl das Haushaltsdefizit als auch die Kosten für die Bedienung der massiven Staatsverschuldung des Landes verschärfen könnte.
Auf globaler Ebene könnte eine plötzliche Änderung der Zinserwartungen oder ein Anstieg des Yen-Vertrauens einen starken Aufschwung auslösen. Das würde den Yen-Carry-Trade treffen und möglicherweise den S&P 500, den Nasdaq usw. belasten Dow Jones.
Helfen Interventionen?
Währungsinterventionen der Bank of Japan können zwar kurzfristig für Erleichterung sorgen, lösen aber nicht die zugrunde liegenden Strukturprobleme.
Wenn die Bank interveniert, verkauft sie Dollar und kauft Yen, wodurch dem System effektiv Liquidität entzogen wird. Dies kann die Renditen von Staatsanleihen in die Höhe treiben und den Stress am Schuldenmarkt verstärken. Japan verfügt zwar über beträchtliche Reserven (rund 1,37 Billionen US-Dollar), ein großer Teil davon ist jedoch in Wertpapieren gebunden, so dass der Spielraum für Interventionen begrenzt ist, es sei denn, die Regulierungsbehörde beschließt, seine US-Staatsanleihenbestände zu veräußern.
Das Problem besteht darin, dass einmalige Interventionen hauptsächlich Zeit gewinnen, anstatt die zugrunde liegenden Probleme zu lösen, darunter hohe Energiepreise, hohe Schuldenstände und eine immer noch große Zinsdifferenz zur Fed.
Werden die USA Japan helfen?
Anfang des Jahres führte die New Yorker Fed sogenannte Zinsüberprüfungsgespräche durch. Dies schürte die Erwartung, dass die USA zusammen mit Japan den Devisenmarkt stabilisieren könnten. Aufgrund dieser Gerüchte der Dollar wurde schwächer gegenüber den meisten wichtigen Währungen. Doch kurz darauf erklärte US-Finanzminister Scott Bessent, dass Washington „auf keinen Fall“ in den Devisenmarkt eingreifen werde, und der Yen schwächte sich erneut ab.
Wenn nun die Unterstützung ausbleibt und die Bank of Japan beschließt, ihre Währung durch den Verkauf von US-Staatsanleihen zu verteidigen, könnte die Volatilität auf den globalen Märkten ansteigen.

