Am 18. Juni unterzeichneten Iran und die USA ein Memorandum of Understanding, das den Anfang vom Ende ihrer militärischen Pattsituation markieren sollte. Das Abkommen umfasste 14 Punkte, darunter die Aufhebung der US-Seeblockade und anderer regionaler Beschränkungen gegenüber Iran, während Teheran der Wiedereröffnung der Straße von Hormus zustimmte.
Ein paar Wochen später, und die Dinge laufen nicht ganz nach Plan: Zwei Handelsschiffe wurden am späten Montag von iranischen Raketen getroffen, als sie die Straße von Hormus durchquerten. Zuvor, am Freitag und Samstag, änderten mindestens acht Schiffe, die vor der Küste Omans unterwegs waren, plötzlich ihren Kurs. Vier von ihnen steuerten iranische Gewässer an, darunter Öltanker, Massengutfrachter und Autotransporter.
Könnten die jüngsten Aktionen Teherans das Memorandum zum Scheitern bringen?
Die Ölpreise stiegen tatsächlich in den Nachrichten, aber nicht dramatisch – Brent legte am Dienstag um weniger als 2 % zu. Dies deutet darauf hin, dass die Märkte keine zweite Energiekrise einpreisen.
Das Gleiche gilt für die Ukraine Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur. Während sie bereits die inländische Raffineriekapazität Russlands reduziert haben, könnten weitere Angriffe auf große Exportterminals die russischen Öllieferungen verknappen, die Preise in die Höhe treiben und dem Markt noch mehr Volatilität verleihen.
Warum?
Erstens hat keine Seite trotz der jüngsten Angriffe erneut damit gedroht, die Straße von Hormus erneut zu schließen. Daher könnte die Eskalation eher als Versuch angesehen werden, am Verhandlungstisch Einfluss zu gewinnen, denn als Vorbereitung auf einen umfassenderen Konflikt.
Zweitens sind die strategischen Erdölreserven nicht mehr das, was sie vor der Energiekrise waren, aber sie sind noch lange nicht leer. Wenn man alternative Schifffahrtsrouten und die Tatsache hinzufügt, dass einige Fässer mit ziemlicher Sicherheit außerhalb offizieller Kanäle transportiert werden, sieht das unmittelbare Versorgungsrisiko viel weniger schwerwiegend aus.
Bedeutet das also, dass die Geschichte von Hormuz vorbei ist?
Gemessen an der Widerstandsfähigkeit des S&P 500 und breitere Risikoanlagen scheinen die Anleger zu glauben, dass das Schlimmste hinter uns liegt. Das Risiko einer erneuten Eskalation ist jedoch nicht verschwunden, und es gibt keine Garantie dafür, dass die Spannungen nach der FIFA-Weltmeisterschaft nicht erneut aufflammen.
Sollten die diplomatischen Bemühungen scheitern, könnte der Ölmarkt schnell wieder ins Rampenlicht geraten.
Vorerst setzen die Märkte jedoch auf ein optimistisches Szenario: Der Energieschock liegt hinter uns, der Inflationsdruck lässt weiter nach und die Fed muss möglicherweise nicht so restriktiv bleiben, wie die Anleger nach Kevin Warshs erster Sitzung als Vorsitzender befürchtet hatten.
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