Lagarde sprach zuvor:
Lagarde wehrte sich gegen die wachsenden Marktspekulationen über bevorstehende Zinserhöhungen und betonte, dass sich die politischen Entscheidungsträger noch keine klare Meinung über die Entwicklung der Zinssätze gebildet hätten, da die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges weiterhin höchst ungewiss seien.
Im Gespräch mit Bloomberg TV sagte Lagarde, die Wirtschaft der Eurozone befinde sich derzeit „zwischen dem Basisszenario und dem Negativszenario“, das in den jüngsten Prognosen der EZB dargelegt werde. Diese Einschätzung ist besonders wichtig für die Märkte: Sie deutet darauf hin, dass die Zentralbank erhebliche Abwärtsrisiken für das Wachstum durch den Energieschock sieht, aber noch nicht eine Inflationsspirale im schlimmsten Fall, die eine aggressive politische Reaktion erzwingen würde.
Die Schließung der Straße von Hormus hat zu einem starken Anstieg der Öl- und Gaspreise geführt, was für die Eurozone angesichts ihrer starken Abhängigkeit von importierter Energie ein zentrales Anliegen ist. Dies hat die Befürchtungen einer weiteren Inflationswelle neu entfacht, da einige Analysten und Händler die Erwartung einer Zinserhöhung bereits bei der nächsten geldpolitischen Sitzung vorwegnehmen.
Allerdings deuten Lagardes Äußerungen auf eine vorsichtigere Haltung hin. Sie betonte, dass es „zu früh sei, um Schlussfolgerungen zu ziehen“ und warnte vor übermäßigem Vertrauen seitens der politischen Entscheidungsträger oder der Märkte in Bezug auf die Richtung der Zinssätze. Entscheidend ist, dass sie es ablehnte, einen bestimmten Zinspfad zu validieren, was den datenabhängigen Ansatz der EZB bekräftigte.
Für die Finanzmärkte bedeutet dies eine Abschwächung der kurzfristigen Straffungserwartungen. Während die energiebedingten Inflationsrisiken eindeutig zunehmen, scheint sich die EZB gleichermaßen auf die potenziellen Auswirkungen auf das Wachstum und die allgemeine Unsicherheit aufgrund geopolitischer Spannungen zu konzentrieren.
Lagarde wies auch erneute Spekulationen über einen baldigen Rücktritt von ihrem Amt zurück und erklärte, sie werde trotz „Wolken am Horizont“ im Amt bleiben, was Kontinuität in der Führung in einer Zeit erhöhter wirtschaftlicher und geopolitischer Volatilität signalisiere.
Insgesamt signalisiert die EZB Geduld – die Märkte reagieren äußerst empfindlich auf neue Energiepreise, Inflationszahlen und geopolitische Entwicklungen, da die politischen Aussichten weiterhin ausgewogen sind.
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Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie ihre Botschaft ändern wird, wenn sie um 21:00 Uhr GMT / 17:00 Uhr US-Ostküstenzeit spricht!

