Escriva von der EZB sagte, die Zentralbank müsse genau beobachten, ob sich höhere Preise auf die Löhne auswirken. Der jüngste Lohntracker der EZB weist auf ein relativ stabiles und moderates Tariflohnwachstum hin, was darauf hindeutet, dass ein solcher Zweitrundendruck noch nicht eingetreten ist.
Laut der Juni-Aktualisierung des Lohntrackers der EZB werden die Tariflöhne im Jahr 2026 voraussichtlich um etwa 2,6 % steigen, was gegenüber früheren Schätzungen unverändert bleibt und unter dem Tempo von 3,0 % im Jahr 2025 liegt. Auch die umfassenderen Arbeitskostenindikatoren haben sich abgekühlt, was darauf hindeutet, dass die Lohndynamik weiterhin mit einer allmählichen Desinflation und nicht mit einer erneuten Inflationsbeschleunigung im Einklang steht.
Dies ist wichtig, da das Lohnwachstum nach der jüngsten Erhöhung um 25 Basispunkte zu einem der am genauesten beobachteten Indikatoren der EZB geworden ist. Die Zentralbank hat eingeräumt, dass die energiebedingte Inflation bereits auf Dienstleistungen und Verkehr übergreift, die politischen Entscheidungsträger sind sich jedoch uneinig, ob dies so hartnäckig bleiben wird, dass eine weitere Straffung gerechtfertigt ist.
Da für die Eurozone im Jahr 2026 eine Inflation von 3,0 % prognostiziert wird, konzentriert sich die EZB besonders auf Anzeichen dafür, dass sich die Inflation in das inländische Preissetzungsverhalten einbettet.
Die Äußerungen von Escriva deuten darauf hin, dass die EZB die Lohnrisiken vorerst eher als eine Bedrohung betrachtet, die man im Auge behalten sollte, denn als ein unmittelbares Problem. Ein stabiles Tariflohnwachstum bietet eine gewisse Gewissheit darüber, dass der aktuelle Inflationsschock keine größeren Zweitrundeneffekte ausgelöst hat. Die politischen Entscheidungsträger bleiben jedoch wachsam, da eine Beschleunigung der Lohnabschlüsse die Argumente für weitere Zinserhöhungen im Laufe dieses Jahres stärken könnte.
Der Markt rechnet mit einer Straffung um 35 Basispunkte bis zum Jahresende und einer 66-prozentigen Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September.

