- Es ist keine Option mehr, über den Inflationsanstieg hinwegzusehen
- Es mehren sich die Anzeichen dafür, dass der Inflationsschock auf andere Teile des Konsumkorbs übergreift
- Selbst wenn der Iran-Krieg heute endete, sind angesichts der Schäden an der Energieinfrastruktur politische Maßnahmen erforderlich
- Die negativen Auswirkungen des Schocks auf das Wachstum werden stärker sein
- Eingehende Daten deuten auf Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wachstum hin
- Bezüglich der Anleiherenditen sehe ich keine besorgniserregenden Entwicklungen
Ihr Standpunkt ist, dass die EZB die Zinsen im Juni anheben sollte, selbst wenn es zu einem Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran kommt. Und das hat durchaus seine Berechtigung, wenn man bedenkt, wie sich die Entwicklungen im Nahen Osten entwickeln. Ein Friedensabkommen bedeutet nicht, dass der Konflikt vorbei ist und alles wieder normal wird. Es wird noch mehr dahinterstecken, da beide Seiten danach noch Atomgespräche führen müssen.
Und selbst wenn der Verkehr entlang der Straße von Hormus ab heute wieder zunimmt, wird der Schaden, der dem Energiemarkt und den globalen Lieferketten zugefügt wurde, nicht sofort wiedergutgemacht. Wie erwähnt Hierkann es mindestens bis zu sechs Monate dauern, bis sich die Situation normalisiert.
Die Zentralbanken befürchten nun, dass dieses „vorübergehende“ Problem stärker in die Preisdynamik einfließt und später zu Zweitrundeneffekten führt. Es ist zwar noch früh, aber die EZB muss sich wohl entsprechend positionieren.
Wie bereits erwähnt, wird der Einlagensatz selbst bei zwei Zinserhöhungen um 25 Basispunkte in diesem Jahr lediglich auf 2,50 % steigen. Das liegt knapp über ihrer neutralen Zone, was sie nur geringfügig restriktiv macht. Und das reicht möglicherweise nicht aus, um die Inflation wirklich wieder zu senken, wenn der Preisdruck stärker in der Gesamtwirtschaft verankert wird.

