
Investing.com — Europäische Aktien könnten zu Beginn des vierten Quartals um mehr als 5 % fallen, da erhöhte Gewinnerwartungen und niedrige Risikoprämien die Märkte anfällig für Enttäuschungen machen, sagten Strategen der Bank of America.
Die jüngsten Wirtschaftsdaten waren unterstützend: Die globalen makroökonomischen Überraschungen erreichten ein Dreijahreshoch und das europäische Wachstum verbesserte sich, da die Inflation nachließ. Ein Großteil dieser positiven Aussichten spiegelt sich bereits in den Aktienkursen wider.
Die Konsenserwartungen für die Gewinnspanne europäischer Unternehmen liegen auf Rekordhöhen, während die Aktienrisikoprämien nahe dem niedrigsten Stand seit zwei Jahrzehnten liegen. Die Anleger rechnen daher mit einem reibungslosen Wirtschafts- und Ertragsumfeld.
Ausgaben für künstliche Intelligenz sind eine Risikoquelle. Die erwarteten 12-Monats-Investitionsausgaben der US-amerikanischen Hyperscaler sind von unter 300 Milliarden US-Dollar Anfang 2025 auf über 800 Milliarden US-Dollar gestiegen.
Die Erzielung akzeptabler Renditen für diese Investition bleibt ungewiss, da der Wettbewerb zwischen KI-Entwicklern zunimmt, die Speicherkosten steigen und Technologieunternehmen mehr Fremdfinanzierungen in Anspruch nehmen. Eine Reduzierung der KI-Ausgaben könnte den europäischen Halbleiter- und Industrieausrüstungsaktien schaden.
Eine weitere Bedrohung stellen die Energiepreise dar. Das Basisszenario geht davon aus, dass die erneuten Kämpfe zwischen den USA und dem Iran begrenzt bleiben und das Jahr 2026 unter 80 US-Dollar pro Barrel enden wird. Längere Störungen könnten dazu führen, dass der Ölpreis über 100 US-Dollar steigt, insbesondere da die Lagerbestände an Benzin, Diesel und Kerosin knapp bleiben.
Auch die Schwäche auf dem US-Arbeitsmarkt könnte die weltweite Nachfrage bremsen, während die Belastung der Privatkredite den Beginn eines neuen Zahlungsausfallzyklus signalisieren könnte. Größere Kreditspannen gingen in der Vergangenheit mit höheren Aktienrisikoprämien und schwächeren Aktien einher.
Die bevorzugte Positionierung bleibt defensiv mit Übergewichtungen in den Bereichen Nahrungsmittel und Getränke, Pharmazeutika und Telekommunikation. Halbleiter, Investitionsgüter und Banken bleiben untergewichtet.
Seit dem Wiederaufflammen der Spannungen ist die Ölsorte Brent um etwa 20 % auf 82 US-Dollar gestiegen, während europäische Aktien gegenüber ihrem Rekord von Anfang Juli um etwa 2 % gefallen sind.
